Storms Weihnachten

Theodor Storm liebte das Weihnachtsfest. Für Storm bedeutete Weihnachten: Sehnsucht, Nostalgie, Heimweh, heile Kinderwelt, Unschuldigkeit, Intimität.

 

Storm fand sein ganzes Leben lang ein geradezu kindliches Glück am Weihnachtsfest. Für ihn war Weihnachten kein per se christliches Fest, sondern in erster Linie ein Fest der Familie, der Menschlichkeit, des Miteinanders, auch im größeren Rahmen verstanden mit Freunden und Bekannten. Der christliche Ursprung und der historische Anlass für das Weihnachtsfest waren für Storm eher Nebensache. Er selbst war evangelisch getauft, aber nicht sonderlich religiös. Im Eichsfeld lernte er die vielen Bräuche der katholischen Kirche näher kennen – Wallfahrten und große Prozessionen waren hier fest verankert im Alltag der gläubigen Bevölkerung. Für Storm aber war Weihnachten eben … Weihnachten. Quasi paradigmatisch für die Prozesse des 19. und 20. Jahrhunderts, in denen Weihnachten immer stärker verweltlicht wahrgenommen wurde, losgelöst von der christlichen Botschaft.

 

Storm schrieb an Weihnachten eine Unmenge an Briefen, an die Verwandten, an Freunde und Bekannte. Darin wird deutlich, welch große Freude er am Weihnachtsfest hatte. Bereits 1841, als Storm 24 Jahre alt war, schreibt er an seine frühere Jugendliebe Bertha von Buchan: „…in einem großen hohen Zimmer stellten wir eine prachtvolle 8 Fuß hohe Tanne auf, schmückten sie reichlich mit goldenen Äpfeln, Eiern, Netzen, Zuckerzeug und vielen bunten Lichtern; von der Spitze zu jeder Seite hinab hängen zwei lange, weißseidene Fahnen, auf der einen die Wappen von Schleswig und Holstein […] auf der andern Fahne das Husumer Stadtwappen, als Umschrift ein Vers aus einem alten Studentenliede: „Süßer Traum der Kinderjahre, kehr noch einmal uns zurück.“

Das war, was Storm jede Weihnachten aufs Neue versuchte: Den Zauber der eigenen Kindheit auch den Kindern zu vermitteln.