Audioguide zur Ausstellung
Fragile Fäden. Malerei und Zeichnung von Horst Sakulowski
Heinrich Wolgast über Pole Poppenspäler, 1900
Transkript
„Die Freude an der Dichtung ist eines der edelsten und köstlichsten Lebensgüter, und wir sollten alles tun, sie unseren Kindern mit auf den Weg zu geben. Mit der Anlage für diesen Genuß hat die Natur sie ausgestattet, und man wird vergeblich nach Kindern forschen, denen die ursprüngliche Neigung für Reime und Geschichten versagt ist. […]
Storm kommt hier vom künstlerisch-technischen Standpunkt aus zu dem gleichen Ergebnis wie die obige pädagogische Erörterung: Die Jugendschrift in dichterischer Form muß ein Kunstwerk sein. Die spezifische Jugendschrift, die den Stoff eigens mit Rücksicht auf das Verständnis der Jugend behandelt, versündigt sich ebensowohl am Geiste der Dichtkunst wie an der literarischen Bildung der Jugend. Wo aber das Kind ein Kunstwerk von der Vollendung des „Pole Poppenspäler“ und einige andere für das Verständnis und die Teilnahme der Jugend geeignete Meisterschöpfungen ins Herz geschlossen hat, ist ein Grund gelegt für die Empfindung des Schönen und Wertvollen, und es ist zu hoffen, daß auf dieser Grundlage sich eine treue Liebe zur echten Dichtkunst entwickelt, die alles ungesunde und dichterlich gleichgültige Machwerk in seiner Nichtigkeit erkennt und ablehnt.“
Impressum
Text: Heinrich Wolgast (Kunsterziehungs- bzw. Jugendschriftenbewegung) über „Pole Poppenspäler“ – Begleitwort für Kinder und Eltern in der Buchausgabe von „PP“ (Westermann Verlag 1900; Nachwort datiert auf Hamburg, 26. Oktober 1898)
Sprecher: Ulrich Potrykus
