Literaturmuseum Theodor Storm
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Ralf-Michael Seele, Horst Sakulowski, Angelika Steinmetz-Oppelland und Gideon Haut bei der Eröffnung der Ausstellung.

Wenn fragile Fäden sichtbar werden – Ein Rückblick auf die Vernissage

18. März 2026/von Henriette Roth

Der Flyer zur Ausstellung wird von einer Person in den Händen gehalten

Drei Personen betrachten ein Bild der Ausstellung. An der Wand ist Text. Er zeigt den Ausstellungstitel "Fragile Fäden".

Am 1. März wurde im Literaturmuseum „Theodor Storm“ die Sonderausstellung Fragile Fäden – Malerei und Zeichnung von Horst Sakulowski eröffnet. 93 Gäste waren gekommen, um einen ersten Blick auf die rund 30 Werke zu werfen und den Künstler persönlich zu erleben.

Bereits der Titel verweist auf ein zentrales Motiv im Werk Sakulowskis: die feinen Verbindungen zwischen Individuum und Gesellschaft. Diese „fragilen Fäden“ ziehen sich durch viele seiner Arbeiten – sichtbar etwa bei den Marionetten, von deren Körpern und Gliedmaßen aus, sich feine Linien bis aus dem Bildraum heraus ziehen. Sie stehen für Abhängigkeiten, für äußere Einflüsse und für die Frage, wie frei der Mensch in seinem Handeln tatsächlich ist.

Dr. Gideon Haut begrüßt die Gäste bei der Ausstellungseröffnung.

Museumsdirektor Dr. Gideon Haut

Dr. Gideon Haut begrüßte die Gäste und gab Einblicke in die Entstehung der Ausstellung. Bereits im Februar 2024 hatte er den Künstler erstmals in dessen Atelier in Weida besucht. Dies war der Beginn einer intensiven und verantwortungsvollen Zusammenarbeit. In seiner Rede würdigte er Sakulowski nicht nur als einen der bedeutsamsten Thüringer Künstler, sondern auch als Persönlichkeit, die ihm in den Begegnungen als besonders zugewandt und bescheiden begegnet sei.

Die Ausstellung vereint Leihgaben aus zahlreichen öffentlichen Sammlungen und Privatbesitz. Zu den wichtigsten Leihgebern gehören die Kunstsammlung Jena, die Kunstsammlung Gera, die Osterburg in Weida sowie die Galerie Hebecker in Weimar. Diesen dankte Dr. Gideon Haut ausdrücklich.

Nach der Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende Monika Potrykus sowie Dr. Gideon Haut gab Frau Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland einen Einblick in die Bedeutung Sakulowskis für die Thüringer Kunstszene.
In seiner Laudatio stellte der Kunsthistoriker Ralf-Michael Seele besonders die Rolle der Betrachtenden in den Mittelpunkt. Kunst, so seine These, entstehe nicht allein im Atelier, sondern auch im Gegenüber. Jeder Ausstellungsbesuchende bringe eigene Erfahrungen, Gefühle und Deutungen in die Begegnung mit den Bildern ein.

Der Kunsthistoriker Ralf-Michael Seele hält die Laudatio.

Ralf-Michael Seele

Diese Verbindung von persönlicher Erfahrung und gesellschaftlichem Kontext ist auch für Sakulowskis Werk selbst prägend. Bekannt wurde der Künstler in den 1970er Jahren mit seinen sogenannten „Problembildern“, darunter Porträt nach Dienst und Das Telegramm. Mit einer erschöpften Ärztin nach einem langen Arbeitstag und einem Soldaten, der eine scheinbar folgenschwere Nachricht erhält, zeigen beide Werke Menschen in Situationen großer Belastung. Statt heroischer Ideale tritt hier die Erfahrung von Ohnmacht und hoher Verantwortung in den Vordergrund. In einer Zeit eingeschränkter Öffentlichkeit übernahmen solche Bilder eine besondere Funktion. Durch sie konnten gesellschaftliche Widersprüche leise aber sehr eindrücklich sichtbar gemacht werden.

Auch in den späteren Arbeiten bleibt dieser Blick auf den Menschen zentral. Figuren wie Marionetten, Harlekine und Idole stehen für Zustände zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Zugleich öffnen sich die Werke für zeitübergreifende Deutungen. Was aus konkreten Erfahrungen in der DDR hervorging, wirkt heute als allgemeingültige Auseinandersetzung mit menschlicher Existenz weiter.

Zwei Frauen betrachten ein Bild der Ausstellung. Das Bild zeigt eine Marionette.

Drei Personen betrachten ein Bild in der Ausstellung.

Eine besondere Rolle spielt der Ausstellungsort selbst. Das Literaturmuseum „Theodor Storm“ eröffnet zum wiederholten Mal einen Dialog zwischen Bildender Kunst und Literatur. Sakulowskis Arbeiten treten in Beziehung zu Storms Novelle Pole Poppenspäler und zeigen, wie eng die Themen und künstlerischen Ausdrucksformen miteinander verwandt sind.

Die Ausstellung wurde von Henriette Roth und Judith Windel kuratiert. Sie ist noch bis zum 17. Mai zu sehen.

Fotos: Fabian Stützer

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https://stormmuseum.de/wp-content/uploads/Ausstellungen/2026-03-01-16-43-20-20260301_164320.jpg 1440 1920 Henriette Roth https://stormmuseum.de/wp-content/uploads/2020/06/TSM_LOGO_alte_NEU04.png Henriette Roth2026-03-18 16:39:152026-03-18 16:39:15Wenn fragile Fäden sichtbar werden – Ein Rückblick auf die Vernissage

Veranstaltung:


Vernissage Sonderausstellung: „Theodor Storm, Ludwig Pietsch und ich“ Ein Grafikzyklus in 22 Bildern rund um die Immensee-Novelle

18. Oktober, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Zeichnung der Familie Storm

Herbstferienprogramm: Die Kleidung der Familie Storm

19. Oktober, 10:00 Uhr - 12:30 Uhr

Spiel & Schnack bei Storm

20. Oktober, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr

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Fax: 03606 / 609935
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Anschrift:

Literaturmuseum „Theodor Storm“
Am Berge 2
37308 Heilbad Heiligenstadt

Leitung: Dr. Gideon Haut


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