Nähe + Distanz. Ein Vortragsabend im Literaturmuseum Theodor Storm

„Kunst“ und „DDR“, diese Worte wecken Erinnerungen an Bilder, die einst allgegenwärtig waren. So zum Beispiel an das junge Liebespaar auf dem Werk „Am Strand“ von Walter Womacka. Überall habe es gehangen: an den Wänden von Jugendzimmern und in Schulen, selbst Postkarten und sogar eine Briefmarke mit dem Motiv habe es gegeben, erzählte Prof. Dr. Bernd Lindner am Abend des 17. April bei seinem Vortrag im Literaturmuseum „Theodor Storm“.
Dort stellte der Kulturhistoriker und -soziologe seine Publikation „Nähe + Distanz. Bildende Kunst in der DDR“ vor, bei der es sich um eine Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen handelt. In zehn Kapitel und mit ca. 60 Abbildungen führt er anschaulich und verständlich durch 45 Jahre Kunstentwicklung. Am Beispiel verschiedenster Künstler und Künstlerinnen aus der DDR, darunter so bekannte Namen wie Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Werner Tübke und Heidrun Hegewald, erklärt er, wie viel Nähe und Distanz zu den strengen kulturpolitischen Vorgaben des Staates wirklich in den Kunstwerken steckt. Bernhard Linder beschreibt, wie es den Künstlerinnen und Künstlern gelungen ist, mit Motiven des alltäglichen Lebens oder versteckten Bedeutungsebenen nicht allein Abbilder von „Helden der Arbeit“ zu erschaffen, die den Sozialismus idealisieren. Dass es ein anwachsendes kunstbegeistertes Publikum gab, belegt er im Buch mit den Besucherzahlen der Kunstausstellungen in den Jahren von 1946 bis 1987/88. Und auch das Interesse der Zuhörenden am Abend beweist, dass es sie noch heute gibt. Denn große Teile der Bildenden Kunst der DDR sind trotz oder gerade wegen des engen Korsetts, in dem sie entstanden sind vielschichtig, erfinderisch und mutig.

 

Text: Henriette Roth