Der Theodor-Storm-Verein besucht „Das Mystery Musical – Der Schimmelreiter” in Fulda!

Am 17. Juni 2026 machte sich eine knapp 40-köpfige Gruppe des Theodor-Storm-Vereins auf den Weg nach Fulda, um „Das Mystery Musical – Der Schimmelreiter” von Dennis Martin im Schlosstheater zu erleben.
Die Vorfreude war groß. Bereits im Vorfeld hatten Fernsehberichte und Medienbeiträge neugierig gemacht, vor allem auf die Inszenierung des berühmten Schimmels. Für die Storm-Kenner*innen stellte sich vor allem eine Frage: Wie lässt sich die wohl bekannteste Novelle Theodor Storms als Musical auf die Bühne bringen?

© spotlight; Fotograf: Michael Werthmüller
Schon beim Betreten des Theaterfoyer wurde deutlich, welche Größe die Produktion hat. Plakate, Fanartikel, eine enorme Fotowand und Banner mit Motiven aus dem Musical sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre und steigerten die Vorfreude auf die Vorstellung.
Auch im nahezu ausverkauften Saal war die gespannte Erwartung des Publikums deutlich zu spüren. Nach dem letzten Läuten begann das Musical mit mit eindrucksvollen Bildern. Anders als in Storms Novelle begegnet das Publikum zunächst Hauke Haien und seiner Tochter Elke auf dem Schimmel. Kurz findet sich die Handlung jedoch wieder zu ihrer literarischen Vorlage zurück, als ein verängstigter Mann in eine Gaststube flüchtet und sich vom Schulmeister die Geschichte des Schimmelreiters erzählen lässt.
Schnell zog die Inszenierung die Zuschauer*innen in ihren Bann. Schauspieler, Gesang, Kostüme und Bühnenbild überzeugten ebenso wie die aufwendig choreografierte Lichtgestaltung. Einen wichtigen Bestandteil der Inszenierung bildete dabei die große LED-Leinwand, die eindrucksvolle Landschaften und Meeresbilder auf die Bühne brachte und die Atmosphäre wirkungsvoll unterstütze.
Allerdings führte genau diese Technik auch zu einer unerwarteten Unterbrechung. Aufgrund technischer Schwierigkeiten musste die Aufführung kurzzeitig pausiert und das System neu gestartet werden. Das Publikum nahm den Zwischenfall gelassen und mit Humor auf. Nach wenigen Minuten wurde die Vorstellung an einer passenden Stelle fortgesetzt. Im weiteren Verlauf kam es zwar noch einmal zu einem kleinen Fehler bei den projizierten Hintergrundbildern, der den Gesamteindruck jedoch kaum beeinträchtigte.

© spotlight; Fotograf: Christian Tech
Insgesamt zeigte sich der Theodor-Storm-Vereins begeistert von der Aufführung. Den einzigen Kritikpunkt war die hohe Lautstärke, die von einigen Besucher*innen als unangemessen empfunden wurde.
Auch inhaltlich regte das Musical zur Diskussion an. Einige Vereinsmitglieder vermissten die Ambivalenz der Figur Hauke Haien, die in der Storm Novelle eine wesentlich komplexere Persönlichkeit besitzt. Im Musical erscheint Hauke stellenweise stärker als Held, während problematische Charterzüge abgeschwächt werden. So wird beispielsweise das Töten von Trines Kater dadurch begründet, dass dieser seinen von Hauke geretteten Eisvogel gefressen habe. In der Novelle hingegen hatte Hauke den Eisvogel zuvor selbst mit einem Stein getötet. Als der Kater anschließend Haukes Beute stehlen wollte, erwürgt er ihn. Dies ist eine Szene, die Storms ambivalente Figurenzeichnung besonders eindrucksvoll verdeutlicht.

© spotlight; Fotograf: Christian Tech
Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn Theater neue technische Möglichkeiten nutzt und mit modernen Gestaltungsmitteln experimentiert. Dennoch stellt sich einigen Zuschauer*innen die Frage, ob die großflächige Projektion in jeder Szenen notwendig waren oder gelegentlich sogar vom eigentlichen Bühnengeschehen ablenkten. So wirkte etwa die Projektion einer herbstlichen Baumkrone im Hintergrund überflüssig, während sich gleichzeitig auf der Bühne ein kunstvoll gestalteter Baum mit farbigen Blättern von der Decke senkte und die Darstellerin den Wechsel der Jahreszeiten beschrieb.
Natürlich verlangt jede Bühnenfassung einer literarischen Vorlage nach Kürzungen und neuen Schwerpunkten. Welche Entscheidungen dabei überzeugen, bleibt letztlich Geschmackssache. Für die Mitglieder des Theodor-Storm-Vereins überwog jedoch eindeutig der positive Eindruck. Die Reise nach Fulda bot nicht nur die Gelegenheit, Storms bekannteste Novelle in einer ungewöhnlichen Interpretation zu erleben, sondern auch reichlich Gesprächsstoff für die Heimfahrt. Ein Besuch des Musicals ist daher durchaus zu empfehlenswert.



