Der Theodor-Storm-Verein besucht „Das Mystery Musical – Der Schimmelreiter” in Fulda!
Die Erwartungshaltung war groß, da zuvor schon einige Beiträge im Fernsehen zu sehen waren, die insbesondere zeigten, wie der berühmte Schimmel dargestellt wird. Natürlich waren die Storm-Kenner*innen gespannt, wie die wohl berühmteste Novelle ihres Dichters als Musical funktionieren würde.Bei der Ankunft im Foyer des Schlosstheaters springen einem schon Plakate, Fanartikel und eine große Fotowand mit dem Logo des Musicals entgegen; Banner mit Bildern aus dem Stück schmücken die Hallen und ziehen neugierige Blicke auf sich.
Beim Betreten des Saals wird das große Interesse und auch der Erfolg des Musicals deutlich – die Vorstellung an diesem Mittwoch-Nachmittag muss fast vollständig ausverkauft gewesen sein. Nach dem letzten Läuten verdunkelt sich der Raum und das Stück beginnt.

© spotlight; Fotograf: Michael Werthmüller
Anders als in der Novelle begegnet uns zunächst Hauke Haien mit seiner Tochter Elke auf seinem Schimmel reitend, wie bei Storm stürzt in der nächsten Szene aber auch ein verängstigter Mann in eine Gaststube und lässt sich von dem Schulmeister die Binnengeschichte des Schimmelreiters erzählen.
Die großartige Leistung der Darsteller*innen bei Schauspiel und Gesang, die Kostüme und das Bühnenbild lassen einen schnell in das Stück eintauchen. Die LED-Leinwand mit dazu choreografierter Lichttechnik unterstützen die Immersion in die Geschichte, sind aber auch der Grund des plötzlichen Stopps der Aufführung. Wie schon bei der Premiere gibt es technische Schwierigkeiten mit der Leinwand und die Anlage muss neu gestartet werden. Der gesamte Saal nimmt es mit Humor und bekommt mitgeteilt, dass die gezeigte Szene fast vorüber war und wir mit der neuen einsteigen. Die LED-Leinwand zeigt weiter das Meer, spritzendes Wasser und anschauliche Hintergründe scheint aber an einer weiteren Stelle fehlerhaft zu sein, als das Hintergrundbild inmitten einer Szene zum nächsten Bild springt, das für das nächste Lied gedacht war, wie sich dann zeigt.

© spotlight; Fotograf: Christian Tech
Insgesamt waren der Theodor-Storm-Vereins begeistert von der Inszenierung. Den einzigen Kritikpunkt, den die meisten anbrachten war die zu hohe Lautstärke.
Ein paar Mitglieder merkten jedoch an, dass Ihnen die Ambivalenz von Haukes Figur fehlte, der im Stück mehr zu einem Helden „reingewaschen“ wurde, als er es bei Storm ist. Das Totschlagen von Trines geliebtem Kater zum Beispiel wird mit dessen versuchten Fassen von Haukes gerettetem Eisvogel gerechtfertigt. Bei Storm hatte Hauke selbst den Eisvogel mit dem Wurf eines Steines umgelegt. Als der Kater seine Jagdbeute dann für sich nehmen wollte, öfter warf ihm Hauke seine erbeutetet Vögel hin, wollte er ihn nicht hergeben und würgte den Kater zu Tode.

© spotlight; Fotograf: Christian Tech
Theater sollte mutig sein, sich ausprobieren und sich nicht vor neuen Techniken zurückschrecken. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die LED-Leinwand für das Schimmelreiter-Musical wirklich nötig gewesen ist und nicht vielleicht störend und ablenkend war. Wenn vorne im Bühnenbild ein Baum mit bunt gefärbten Blättern von der Decke heruntergelassen wird und die Darstellerin davon spricht, wie die Jahreszeiten sich wechseln, braucht das Publikum dann noch ein fast kitschiges Bild von einer herbstlichen Baumkrone im Hintergrund?
Verständlicherweise muss für eine Inszenierung auf immer gekürzt und Schwerpunkte gesetzt werden. Ob einem gefällt, welche ausgewählt werden, ist natürlich Geschmackssache. Die Mitglieder des Theodor-Storm-Vereins, die bei diesem Erlebnis dabei sein durften, würden den Besuch des Musicals auf jeden Fall weiterempfehlen.


