Audioguide zur Ausstellung
Fragile Fäden. Malerei und Zeichnung von Horst Sakulowski
Nachwort von Theodor Storm zu Pole Poppenspäler
Transkript
„Als bei Begründung der Zeitschrift ,Deutsche Jugend‘ auch meine Mitarbeiterschaft gewünscht wurde, vermochte ich, ungeachtet meiner Teilnahme für das so reich ausgestattete Unternehmen, dem Verlangen der Herren Herausgeber nach einer novellistischen Arbeit erst nach geraumer Zeit zu genügen. Die Schwierigkeit der ,Jugendschriftstellerei‘ war in ihrer ganzen Größe vor mir aufgestanden. ,Wenn du für die Jugend schreiben willst,‘ – in diesem Paradoxon formulierte es sich mir – ,so darfst du nicht für die Jugend schreiben! – Denn es ist unkünstlerisch, die Behandlung eines Stoffes so oder anders zu wenden, je nachdem du dir den großen Peter oder den kleinen Hans als Publikum denkst.‘ Durch diese Betrachtungsweise aber wurde die große Welt der Stoffe auf ein nur kleines Gebiet beschränkt. Denn es galt einen Stoff zu finden, der, unbekümmert um das künftige Publikum und nur seinen inneren Erfordernissen gemäß behandelt, gleichwohl, wie für den reifen Menschen, so auch für das Verständnis und die Teilnahme der Jugend geeignet war. Endlich wurde die vorstehende Erzählung geschrieben. – Ob nun darin die aufgestellte Theorie auch praktisch bestätigt worden, oder, wenn dies auch im wesentlichen, ob nicht im einzelnen hier und da die Phantasie mir einen Streich gespielt, so daß ich unbewusst dem zunächst bestimmten jungen Hörerkreise beim Erzählen gegenübergesessen habe – beides wird der geneigte Leser besser als der Verfasser selbst zu beurteilen imstande sein. Ein paar nicht eben erhebliche Stellen, welche in der Jugendzeitung, wenn auch unter Zustimmung des Verfassers, so doch nach dessen Überzeugung ohne zureichenden Grund, unterdrückt wurden, sind in dem vorstehenden Abdruck wiederhergestellt.“
Impressum
Text: Theodor Storm, Nachwort zu „Pole Poppenspäler“ in „Sämtliche Werke“ (1877-1889; 1898)
Sprecher: Ulrich Potrykus
